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News > Forschung zur psychischen Gesundheit von Kindern – Niederösterreich wird Modellregion – Schulen können mitmachen

am 11.1.2018
Die Forschungsgruppe "D.O.T. – Die offene Tür" wird Maßnahmen entwickeln, die die soziale Verbundenheit zwischen Kindern beim Wechsel von der Volksschule in die Sekundarschule fördern

Krems (OTS) - "Gelungene soziale Integration ist eine wichtige Ressource für Kinder, um gesund erwachsen zu werden, und fördert deren Selbstwertgefühl. Beim Wechsel in eine andere Schule verlieren Kinder oft wichtige Bezugspersonen oder sogar ihr gesamtes bisheriges soziales Netz und müssen ihren Platz in der neuen Gruppe erst wieder finden. Hier besteht die Gefahr, dass Kinder den Anschluss verlieren, aber gleichzeitig die Chance für einen Neustart", so Beate Schrank, Fachärztin für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, anlässlich der Vorstellung der Forschungsgruppe "D.O.T. – Die offene Tür" am 11. Jänner.

Sie wird die Forschungsgruppe mit Sitz in Krems leiten, die von der Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) in Kooperation mit der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL) gegründet wurde und jetzt ihre Arbeit aufnimmt.

Angebot für Kinder zwischen neun und zwölf Jahren

Die Forschungsgruppe D.O.T. wird eine Reihe an Maßnahmen entwickeln, die die Verbundenheit von Kindern fördern. Zu den Maßnahmen zählen Workshops an Schulen, die soziale Integration spielerisch thematisieren, sowie – als zentrale Anlaufstelle für Kinder – die Entwicklung eines digitalen sozialen Netzwerks mit Lernspielen, bei denen Kinder Fertigkeiten wie Emotionsregulation oder Empathie üben können. Die ersten Angebote wird es in Niederösterreich geben.

"Diese Maßnahmen sind für alle Kinder zwischen neun und zwölf Jahren gedacht. Wir wissen aber, dass es Kinder gibt, die mehr Förderung brauchen als andere. Kinder können – abgesehen von der Herausforderung des Schulwechsels – mit verschieden Problemen konfrontiert sein. Das Spektrum reicht von der Scheidung der Eltern über Alkoholmissbrauch und Gewalt zuhause bis hin zu schweren psychischen Erkrankungen der Eltern, was für Kinder natürlich besonders belastend ist und für unsere Forschungsgruppe ein besonderer Schwerpunkt ist", so Schrank über die Zielgruppe, mit der sich die Forschungsgruppe auseinandersetzen wird.

"Rückblickend hätte ich mich gefreut, wenn jemand meine Lage erkannt hätte und sich mit wahrem Interesse nach mir erkundigt hätte", erzählt die inzwischen erwachsene Lisa Kainzbauer, deren Mutter an Schizophrenie erkrankt ist.

Schulen in Niederösterreich sind eingeladen, mitzumachen

Alle Maßnahmen werden zusammen mit Kindern und ihren Bezugspersonen wie Eltern oder LehrerInnen entwickelt. VertreterInnen von PatientInnenorganisationen, Kliniken, Therapie- und Beratungszentren werden ebenfalls in die Forschung eingebunden. Kinder sind auch gleichberechtigt in den beratenden Gremien vertreten. Für Schulen sollen die gemeinsam entwickelten Maßnahmen zur Entlastung beitragen, gleichzeitig soll die Entstigmatisierung von psychischen Problemen bei Kindern gefördert werden. "Wir laden alle interessierten Schulen in Niederösterreich ein, sich bei uns zu melden", sagt Forschungsgruppenleiterin Schrank.

Internationale Forschungsgruppe D.O.T.

Das Team der Forschungsgruppe D.O.T. setzt sich aus WissenschaftlerInnen mit sehr verschiedenen Fachgebieten zusammen. "Wir reden hier von einer Kombination von Wissen aus den Bereichen Psychiatrie, Psychologie, Soziologie und Pädagogik aber auch Computerwissenschaften und Gaming bis hin zu Theater. Diese Kombination verschiedener Disziplinen ist etwas Besonderes in diesem Forschungsfeld", so Schrank.

"Das interessante Team der Forschungsgruppe hat sich in einem 'Ideas Lab' gefunden, das die LBG letztes Jahr veranstaltet hat. Dabei handelt es sich um ein neues Format in Form eines interaktiven Workshops, bei dem WissenschaftlerInnen aus unterschiedlichen Fachgebieten und Ländern für ein paar Tage zusammenkommen, sich in Teams zusammenfinden und ein Forschungskonzept zu einem vorgegebenen Thema erarbeiten", erklärt Raphaela Kaisler. Sie ist Forschungsgruppenmanagerin an der LBG und hat das "Ideas Lab" umgesetzt.

Erwartungen an das Forschungsprojekt

"Bei D.O.T. handelt es sich um ein durchdachtes Forschungsprojekt, das auf hohem wissenschaftlichem Niveau multiple anerkannte Methoden kombiniert und wissenschaftliche Erkenntnisse auf mehreren Ebenen liefern wird. Wir erwarten uns ein besseres Verständnis der Grundlagen und Prozesse im Zusammenhang mit sozialer Verbundenheit im Kindesalter, besonders in Zeiten der Veränderung. Dazu gehört z.B. das Zusammenspiel von Faktoren und Fähigkeiten, die soziale Verbundenheit fördern oder hemmen. Außerdem werden wir uns ansehen, welche Maßnahmen wie wirksam sind. Die Zeit des Schulwechsels ist für die Forschung eine besonders interessante Periode im Leben eines Kindes, weil in ihrem Sozialleben so viel in Bewegung ist", erklärt Schrank die Erwartungen an das Forschungsprojekt.

Die Auswahl des Forschungsthemas geht auf eine Crowdsourcing-Initiative der LBG aus dem Jahr 2015 zurück. Über eine Online-Plattform gab die LBG Betroffenen von psychischen Erkrankungen, ihren Angehörigen und FachexpertInnen die Gelegenheit, ihr Wissen und ihre Anliegen zu kommunizieren. "Das Thema psychische Gesundheit von Kindern fand sich in verhältnismäßig vielen Statements wieder, daher griff die LBG dieses gesellschaftlich relevante und in der Forschung unterrepräsentierte Thema auf", erklärt Kaisler.

Kontakt für Schulen: office@dot.lbg.ac.at

Eckdaten

Name: Forschungsgruppe "D.O.T. – Die offene Tür" der Ludwig Boltzmann Gesellschaft in Kooperation mit der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften
Laufzeit: vier Jahre, von Jänner 2018 bis Dezember 2021
Projektvolumen: drei Mio. Euro
Fördergeber: Österreichische Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung und Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft
Größe: Aktuell sechs WissenschaftlerInnen; geplant: zwölf WissenschaftlerInnen

Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) ist eine Forschungseinrichtung mit thematischen Schwerpunkten in der Medizin und den Life Sciences sowie den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und stößt gezielt neue Forschungsthemen in Österreich an. Die LBG betreibt zusammen mit akademischen und anwendenden Partnern aktuell 19 Ludwig Boltzmann Institute und entwickelt und erprobt neue Formen der Zusammenarbeit zwischen der Wissenschaft und nicht-wissenschaftlichen AkteurInnen wie Unternehmen, dem öffentlichen Sektor und der Zivilgesellschaft. Gesellschaftlich relevante Herausforderungen, zu deren Bewältigung Forschung einen Beitrag leisten kann, sollen frühzeitig erkannt und aufgegriffen werden. Teil der LBG sind das LBG Open Innovation in Science Center, das das Potenzial von Open Innovation für die Wissenschaft erschließt, das LBG Career Center, das 200 Pre- und Postdocs in der LBG betreut, und zwei neue Forschungsgruppen zum Thema psychische Gesundheit von Kindern. In der Ludwig Boltzmann Gesellschaft sind insgesamt 550 MitarbeiterInnen beschäftigt.

www.lbg.ac.at

Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften

Die Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL) – gegründet im Jahr 2013 – ist im Umfeld einer erfolgreichen Lehr- und Forschungslandschaft am Campus Krems und im Universitätsklinikverbund St. Pölten, Krems und Tulln angesiedelt. Mit ihrem Bologna konformen Studienangebot in den gesundheitspolitisch wichtigen Schlüsselfeldern Humanmedizin, Psychologie, Psychotherapie- und Beratungswissenschaften sowie Neurorehabilitationswissenschaften ermöglicht sie den Zugang zu neuen, innovativen Berufsfeldern in den Gesundheitswissenschaften. Durch die Zusammenarbeit mit strategischen Partnerinstitutionen in Wissenschaft und Forschung strebt die KL eine Schwerpunktbildung in gesundheitspolitisch relevanten Nischenfeldern wie der Medizintechnik, der Psychodynamik und Psychologie sowie zum Thema Wasserqualität und den damit verbundenen gesundheitlichen Aspekten an.

www.kl.ac.at

Rückfragen & Kontakt:

Inhaltlicher Kontakt
Beate Schrank
Leiterin der Forschungsgruppe "D.O.T. – Die offene Tür"
Mobil: 0650 214 16 18
beate.schrank@dot.lbg.ac.at

Pressekontakt
Emilie Brandl
Öffentlichkeitsarbeit
Ludwig Boltzmann Gesellschaft
Nußdorfer Straße 64, 1090 Wien
Tel. 01 513 27 50-28
emilie.brandl@lbg.ac.at
www.lbg.ac.at

Eva-Maria Gruber
Kommunikation, PR & Marketing (Leitung)
Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften
Dr.-Karl-Dorrek-Straße 30, 3500 Krems
Tel. 02732 72090-231
Mobil: 0664 505 62 11
evamaria.gruber@kl.ac.at
www.kl.ac.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | LBG0001

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20180111_OTS0109/for...
Quelle: OTS0109, 11. Jan. 2018, 12:07



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