News > Wie die nationale Herkunft von Impfstoffen die Impfwilligkeit beeinflusst

am 11.1.2022
Studie der SFU Berlin deckt bisher wenig beachtete Zusammenhänge auf

Wien/Berlin (OTS) - Dass die Entscheidung für oder vor allem gegen eine CoV-Impfung oftmals nicht auf rationalen Erwägungen beruht, ist an sich evident. Welche konkreten kognitiven Vorgänge dabei eine Rolle spielen, ist aber noch wenig erforscht. Forscher*innen des Instituts für psychologische Forschung an der Sigmund Freud Privatuniversität Berlin e.V. konnten jetzt in einem Experiment nachweisen, dass die nationale Herkunft des angebotenen Impfstoffes einen Einfluss auf die Impfwilligkeit hat.

Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden 300 Teilnehmer*innen aus Deutschland befragt, die eine Impfung nicht grundsätzlich ablehnen. Sie sollten dabei beurteilen, ob mit den verschiedenen Vakzine aus dem momentan international verfügbaren Angebot ihre Impfwilligkeit jeweils eher zu- oder abnehmen würde. Dabei wurden die Proband*innen nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen geteilt: Die Versuchsgruppe erhielt zu den vorgelegten Impfstoffen zusätzlich einen Hinweis über deren nationale Herkunft (also z.B.: Deutschland für BioNTech Pfizer). Der Kontrollgruppe wurde diese Information dagegen nicht dargeboten. Aus den tatsächlich festgestellten Abweichungen der Ergebnisse zwischen den Gruppen kann abgeleitet werden, dass Vakzine aus Ländern mit einer größeren sozio-kulturellen Nähe (also aus Europa oder den USA) die Impfbereitschaft eher erhöhen als solche aus Ländern, die als fremder wahrgenommen werden (also Russland oder China). Der sogenannte Country-of-Origin-Effekt ist im Produktmarketing bereits länger bekannt, dass es aber offenbar vergleichbare Phänomene in der Wahrnehmung medizinischer Präparate gibt, ist hingegen bisher kaum untersucht worden.

Prof. Dr. Eric Jensen, international renommierter Sozialwissenschaftler und Teilprojektleiter, bestätigt: "Diese Untersuchung zeigt, wie wichtig die verborgenen Faktoren sind, die die Entscheidung der Menschen in Bezug auf die COVID-19-Impfungen beeinflussen. Für die meisten Menschen handelt es sich dabei nicht um wissenschaftliches Kalkül." Univ. Prof. Dr. Meike Watzlawik, Projektkoordinatorin und Leiterin der Abteilung für Psychologie an der SFU Berlin, betont: "Es ist wichtig, die Ängste und Bedenken der Menschen in Bezug auf das Impfen besser zu verstehen, um zielgruppengerechtere Informationen bereitstellen zu können. Diese Studie liefert wertvolle Informationen, um Gesundheitsdienstleister*innen dabei zu unterstützen, ihre Kommunikationsstrategien anzupassen."

Rückfragen & Kontakt:

Univ.-Prof.in Dr. Meike Watzlawik
Sigmund Freud PrivatUniversität Berlin
Departmentleitung Psychologie
+49 30 695 797 28-16
meike.watzlawik@sfu-berlin.de

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Quelle: OTS0003, 10. Jan. 2022, 07:30


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